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Deine Hände – your hands

Deine Hände hielten mich, weil meine Hilflosigkeit mir Angst machte und ich weinte,

sie schoben meinen Kinderwagen durch die größer werdende Welt.

Deine Hände stützten mich bei den mehr werdenden Schritten,

sie kraulten meinen breiter werdenden Rücken.

Deine Hände arbeiteten für mich und trugen Taschen und Träume heim,

sie hielten das Buch, aus dem du mir vorgelesen hast.

Deine Hände unterzeichneten Hausaufgaben oder schrieben Entschuldigungen,

sie wuschen meine Wäsche und räumten ohne Worte darüber zu verlieren auf.

Deine Hände erhoben sich für mich,

sie erhoben sich niemals gegen mich.

Und eines Tages mussten sie mich loslassen, weil ich ging.

Eines Tages werde ich deine Hände loslassen müssen, weil du gehst.

Meine Hände werden sich niemals gegen dich erheben,

sie erheben sich für dich.

Meine Hände waschen deine Wäsche und räumen ohne Worte darüber zu verlieren auf,

sie schreiben Briefe für dich oder unterzeichnen Anträge.

Meine Hände halten das Buch, aus dem ich dir vorlese,

sie arbeiten für dich und tragen dir Taschen und Träume heim.

Meine Hände kneten deinen krummer werdenden Buckel,

sie stützen dich bei den weniger werdenden Schritten.

Meine Hände schieben dich im Rollstuhl durch die kleiner werdende Welt,

sie halten dich, wenn deine Hilflosigkeit dir Angst machst und du weinst.

Du warst Tochter, Schwester und Ehefrau.

Nun bist Du Mutter, Oma und Urli.

Mögen alle, für die du da warst, nun auch für dich da sein. Denn wenn wir uns alle bei den Händen halten, schließen wir des Lebens Kreis und knüpfen weiter an der Liebe Band.

Alles Gute zum Muttertag

© mk

Das alte Haus und der Baum

Als du mich vor vielen Jahren in die Welt gesät hast, warst du jung und voller Leben. Freude war in dir und Glück. Wenn es stürmte oder regnete und ich zartes Pflänzchen in Gefahr riet, schütztest du mich mit deiner ganzen Breite an Kraft. Selbst so manchen Blitzeinschlag hielten wir durch deine Stärke gemeinsam Stand. Dein Fundament und die Bodenständigkeit ließen mich Wurzeln schlagen und dein offener Blick zu den Sternen machte das Leben so einzigartig schön. Wachsen, wachsen wollte ich und tat es auch in deinem sicheren Garten. So gewann ich an Größe und Kraft und verstand irgendwann auch die Dinge, die ich hören oder sehen konnte, wenn deine Fensterläden offenstanden. Ich konnte deine Erinnerungen sehen und das, was du bist. Meist war da die Liebe in dir, doch brach dein Spiegel im Herzen deines Lebens auch manchmal durch Enttäuschung, Trauer und Sorgen entzwei. Wie ein Wunder renoviertest du dich neu und ließt dich nicht entmutigen, sondern wuchst du mit mir mit einem neuen Stockwerk in die Höhe. Sieh uns heute nur an und lass uns zart auf die beiden blicken, die wir jetzt sind. Alt bist du geworden mit Rissen in der Fassade und manchmal stehst du ganz krumm. Wir wissen beide, dass das Leben endlich ist, was meine Sorgen um dich unendlich macht. Doch noch kann ich dir ein wenig von dem zurückgeben, was du mir gegeben hast. So kann ich dir meinen Schutz bieten, wie du es damals bei mir getan hast. Wie gerne bin ich bei dir und lege mein Lebenshaupt schützend über dich. Wie sehr liebe ich das Licht, das in deinem Fenster noch brennt und mich durch die Einsamkeit der Nacht trägt. (c) mk