Lohnt der Probedruck bei Kindle?

In diesem redaktionellen Beitrag berichte ich von meinen Erfahrungen bei der Veröffentlichung eines Taschenbuchs bei KPD (Werbung: über amazon). Alle Angaben sind ohne Gewähr und stellen lediglich einen schriftstellerischen Beitrag dar.

KPD ist dabei, die Leistungen von Createspace in seine deutschsprachige Übersicht zu integrieren. „Ältere“ Bücher der anderen Plattform bzw. auch Neuerscheinungen können nun direkt über KPD veröffentlicht werden. Meiner Einschätzung nach geht das leicht und schnell vonstatten. Einige Funktionen müssten dringend verbessert werden, wie z.B. der Cover-Designer, dessen Vorlagen zu wenig sind und dessen Layouts sich kaum verändern lassen. Wohl geht der Anbieter damit sicher, dass der automatische Buchdruck ohne Formatierungsprobleme geringen kann. Nun möchte ich zum eigentlichen Beitragsthema kommen: Probedruck!

Wenn man alle erforderlichen Daten für das Taschenbuch eingetragen hat, kann man es veröffentlichen. Das dauert dann etwa einen halben Tag. Wenn die Automatikprüfung keine wesentlichen Fehler findet, wird das Buch im Amazon-Store (Werbung) veröffentlicht und kann gekauft werden. Allerdings erkennt die automatische Prüfung nicht alle Formatierungs- oder Rechtschreibfehler. Deshalb gibt es die Möglichkeit, sich VOR der Veröffentlichung einen (bzw.  bis zu 5 pro Bestellung) Probedruck zukommen zu lassen. Der Autor kann somit für sich selbst oder Vertraute Exemplare bestellen mit der Bitte, das Buch auf mögliche Fehler zu überprüfen.

Den Probedruck kauft man wie ein „normales“ Buch. Durch einen Klick auf „Probedruck bestellen“, wird dieses in den Warenkorb gelegt. Anschließend wird gezahlt. Die Fertigstellung des Buches erfolgt schnell. Innerhalb eines Tages wird das bestellte Exemplar gedruckt und verschickt. Es dauert also gerade mal 3-4 Tage, bis das Buch ankommt. Ein besonderes Merkmal: Der Probedruck ist mit einem Banner auf dem Cover versehen, dass er nicht zum Wiederverkauf gedacht ist.

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Warum das Ganze? Der Probedruck wird zum Preis der Druckkosten angeboten und ohne Mehrwertsteuer. Dadurch ist das Buch erheblich günstiger als der spätere Mindestpreis. Am Ende wird das Buch allerdings deutlich teurer werden als ein veröffentlichtes Buch!!! Das liegt daran, dass Amazon für den Versand des Buches Porto und Umsatzsteuer verlangt! Man spart also mit dem Probedruck kein Geld, sondern zahlt etwas drauf! Wie hoch das Porto ist, wenn man mehrere Bücherexemplare bestellt weiß ich nicht. Vielleicht relativiert sich das dann etwas. Falls du Erfahrungen hierzu hast, bitte kommentieren.

Der große Vorteil eines Probedrucks: Endlich hältst du „dein“ Buch in der Hand. Es ist erwiesen, dass das Gehirn eigene Texte bzw. Texte auf dem Bildschirm anders liest als auf Papier. Deshalb kannst du nun mit dieser neuen Sichtweise einige Dinge begutachten:

Die Größe des Buches: Je größer dein Buch ist, desto weniger Seiten hat es. Da KPD nur die Seitenzahl berechnet, sparst du also Geld und reduzierst den Mindestkaufpreis, wenn du ein größeres Format wählst. Gleichzeitig wird der Buchrücken erst ab ca. 100 Seiten druckfähig, d.h. wie wichtig ist es dir, dass man den Titel und deinen Namen auch im Bücherregal erfassen kann?

Seitenzahl:  Ein Druckbogen hat 4 Seiten. Ein Buch wird also in diesen 4er-Schritten gedruckt. Evtl. entstehen dadurch am Ende Leerseiten. Eine Seite wird für den Hinweis benötigt, wo das Buch gedruckt wurde. Diese ist also immer abzuziehen. Du kannst in diesem Fall versuchen, die Seitenzahl zu kürzen, indem du die Silbentrennung anwendest, auf Absätze verzichtest oder z.B. die Seitenränder verkleinerst. Umgekehrt kannst du durch diese Dinge die Seitenzahl erhöhen. Es ist aber auch möglich, leere Seiten für eine Autorbeschreibung, Hinweise auf andere Werke usw. zu verwenden.

Seitenränder: Wie schon erwähnt, haben die Ränder Einfluss auf die Seitenzahl. Verändert man dieses Format, verändert sich der komplette Textfluss. Gerade bei Silbentrennung, Bildern und dem Inhaltsverzeichnis ist das zu berücksichtigen. Die Seitenränder sollten aus meiner Sicht so eingestellt sein, dass der Text nicht in der Bindung in der Mitte verschwindet. Oben und unten sollte nicht übertrieben viel Platz sein.

Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand: Dies sind Faktoren, welche die Seitenzahl, aber auch das Lesevergnügen beeinflussen. Ich selbst arbeite als Brillenträger gerne mit einem Kompromiss. Ich verwende eine mittelgroße Schrift, sodass sie nicht übertrieben wirkt, aber doch gut lesbar ist. Zu große Zeilenabstände lassen sich aus meiner Sicht nicht so schön lesen, weil das Auge dann ja auch größere Sprünge machen muss. Die Schriftart sollte gut leserlich sein. Evtl. ist auch darauf zu achten, ob es eine verwendungsfreie Schriftart ist. Speziell angefertigte Schriftarten dürfen evtl. nicht kommerziell verwendet werden. Oft sind hier die Rechte jedoch nur schwer nachzuvollziehen. Beim Schriftbild achte ich auch noch darauf, ob der Schriftsatz linksbündig oder im Blocksatz ist (gleicher Rand links und rechts). Da ich gerne mit dem Blocksatz arbeite, kann es sein, dass das Textprogramm die Wörter entsprechend auseinanderzieht. Wenn zu große Lücken entstehen, empfiehlt sich eine manuelle oder automatische Silbentrennung. Hier ist beachten, dass sich bei einer Veränderung die ganzen Texte verändern und die manuell getrennten Wörter evtl. mit Bindestrich mitten im Text auftauchen. Das ist dann zu korrigieren.

Seitenzahl: Wer mit Seitenzahlen arbeiten möchte, wird dies meist in der Fußzeile tun. Diese Funktion kostet dann Platz, weshalb sich die Seitenzahl zunächst vergrößert. Man kann dem etwas entgegensteuern, indem man die Abmaße der Fußzeile verkleinert. Aber Achtung: Sind Textprogramme nicht kompatibel, kann es sein, dass hier Formatierungsfehler entstehen. Die Folge sind dann ungleiche Abstände der Seitenzahl, was „furchtbar“ aussieht.

Cover: Es heißt zwar „Never read a book by its cover – Lies niemals ein Buch nach seinem Umschlag“, doch ehrlich gesagt, liebe ich es, „schöne“ Bücher zu kaufen. Das Cover ist wahrscheinlich für die meisten ein Argument zu kaufen oder uninteressiert zu sein. Deshalb ist hier das Bestmögliche rauszuholen. KPD bietet für die „einfachen Autoren“ einen Coverdesigner, der leider im Detail seit Jahren bescheiden ist. Es bleibt zu hoffen, dass hier Verbesserungen angestrebt werden. Man hat auch die Möglichkeit, eine eigene pdf-Datei zu erstellen. Das erscheint mir selbst aber aufgrund der Berechnung der Covergröße in Bezug auf Format und Seitenzahl usw. doch kompliziert.

Rechtschreibfehler: Nun heißt es, das Buch noch einmal gründlich zu lesen bzw. besser lesen zu lassen. Frage Personen deines Vertrauens, die das zeitnah und gerne machen.

Okay, du bist soweit?

Wenn du das Buch korrigiert hast oder schon mit dem Probedruck zufrieden bist, kannst du das Manuskript neu hochladen. Dann kommt der große, magische Moment der Veröffentlichung! Nur noch einen knappen Tag bist du dann von deinem Taschenbuch entfernt! Da ich als Autor nicht besonders bekannt bin und die Konkurrenz auf Amazon viel zu groß ist, wird der Run auf das Buch nicht gleich so groß sein, dass man keinen Fehler mehr vergessen darf. Gerne setze ich deshalb das Buch auf den Mindestpreis (ohne Tantiemen) und bestelle mir noch einmal ein eigenes Exemplar. Dabei verzichte ich auf den „Probedruck“, denn ein „echtes“ Buch ist aufgrund der entfallenden Portokosten billiger und verschenkbar. Es kann mir durchaus passieren, dass doch noch einzelne Fehler entdeckt werden, die in diesem Testzeitraum korrigiert werden können. Erst wenn ich die Ausgabe für gelungen halte und denke, dass ein vielleicht doch noch nicht entdeckter, kleiner Fehler, den Wert des Buches und den Lesegenuss für fremde Leser nicht schmälern, setze ich den Wunschpreis auf, mit dem ich bescheidene Tantiemen verdienen könnte.

Fazit: Umso öfter du Bücher veröffentlichst, desto mehr Routinen wirst du entwickeln. Fehler, die für einen Autoren „schrecklich“ sind, können so reduziert werden. Ich selbst würde mir wohl wieder einen Probedruck bestellen, aber korrigierte Folgeausgaben eher veröffentlichen.

(c) mk